Mein Offenstall
In meinem Offenstall ist zur Zeit noch Platz für einen Ponywallach bis ca. 140cm Stckm. oder zwei kleine Ponys, z.B. Shettys.
Nach langer Überlegung und zahlreichen Ärgernissen als Einstellerin, wie Unzuverlässigkeit seitens der Stallbetreiber, schlechtem Futter (vor allem beim Raufutter wird den Pferden so einiges geboten!), mangelnder Wasserversorgung bei Frost, zu häufigem „Drinlassen“ wegen schlechtem Wetter, habe ich nun seit August 2009 wieder einen eigenen Stall, einen Offenstall. Nicht mehr mit den Ausmaßen, wie früher mein Reitschulbetrieb, sondern eine kleine private Anlage mit Platz für weitere zwei bis drei Pferdegenossen.
Ich hoffe, dass ich im nächsten Frühjahr alles so weit umgestellt haben werde, dass wir ein LAG-Stall (Arbeitsgemeinschaft Laufstall für artgerechte Pferdehaltung) werden.
Der Stall selber ist ein stabiles Gebäude. Ursprünglich bestand er aus zwei Boxen und einem Heulager. Mein Mann, ohne den das Projekt gar nicht möglich wäre, hat die Zwischenwände herausgenommen, so dass die Pferdchen jetzt schön viel Platz haben. An einer Seite gibt es zwei Ein-, Ausgänge und darüber hinaus können die Pferde durch den Stall hindurch und wieder hinaus im Kreis laufen, weil er noch einen Ausgang hat.

Drinnen ist gut eingestreut mit Spänen. An Regentagen (bei kaltem Dauerregen) wird der Stall sehr gern genutzt. Das freut mich, denn man hört ja immer wieder das Vorurteil, Pferde würden Unterstände oder Offenställe sowieso nicht nutzen. Das liegt aber meist daran, dass sie für die Anzahl der Pferde zu klein, ungepflegt und/oder matschig sind. Besonders die benötigte Größe von Offenställen oder Unterständen wird von vielen Betreibern immens unterschätzt. Vor allem rangniedere Tiere haben dann das Nachsehen.
Die Arbeitsgemeinschaft Laufstall erwartet bei Offenstallhaltung mit ständig freiem Zugang zu Paddock/Weide 6 qm Platz pro Pferd. Das hört sich erst einmal nicht viel an, aber erfahrungsgemäß bieten Unterstände meist nur Platz für 3-4 Pferde, auf der Weide oder dem Paddock laufen aber zehn herum….
Auf meinem Weidegelände gibt es jederzeit Schatten.

Da die Weide von Bäumen und Sträuchern umgeben ist, sogar zu jeder Tageszeit. Manchmal wundert man sich dann, dass die Pferde ausgerechnet in der heißen Mittagszeit ein Sonnenbad nehmen. Aber sehr schnell verziehen sie sich dann wieder in schattige Gefilde oder sogar in den Offenstall. Überhaupt ist es immer wieder interessant zu beobachten, wie sie sich den Tag einteilen, ja, wie sie sich managen. Vor allem, wenn man versucht, einen Vergleich anzustellen, wie man selbst es mit seinem Pferd gemacht hätte, wenn es nicht die freie Wahl hätte, wird klar, dass man ihm überhaupt nicht gerecht werden kann! Natürlich, dass sie bei Hitze den Schatten aufsuchen und sich auch vor starkem Regen schützen, das ist sicherlich vielen klar, aber da ist so viel mehr…
Durch die ständige Bewegung haben die Pferde stets eine gute Muskulatur. Es ist kaum zu glauben, was für ein Unterschied das ist zu einem in einer Box gehaltenen Pferd, selbst wenn es tagsüber rauskommt. Die Nacht in der Box ohne Bewegung ist eben doch lang.
Bei mir haben sie auch immer einen Grund, sich zu bewegen. Die Selbsttränke zum Beispiel ist im Offenstall angebracht und immer, wenn ein Pferd Durst bekommt, muss es den Weg von der Weide extra hoch zum Stall gehen.

Noch besser wäre es, wenn auch die Tränke noch draußen vor dem Stall installiert wäre, aber ich habe dies so vorgefunden, und da sich die Pferde sowieso fast immer auf der Weide aufhalten, macht das nichts.
Übrigens bekommen sie im Herbst/Winter auch ihr Raufutter auf der Weide.

Eine Ausnahme mache ich nur bei heftigem Dauerregen. Dann bereite ich entsprechend viele Futterplätze im Stall.
Das Kraftfutter bekommen die Süßen in einem Futtersack.

Unser Traber Findus ist allerdings dermaßen ungeduldig beim Fressen, dass er dem Sack mit seinen Hufen bereits den Garaus gemacht hat und wir ihm nun einen Eimer umhängen. Das ist allerdings auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss, da er auch noch die Angewohnheit hat, den Kopf samt Eimer hochzuwerfen und dabei fliegt natürlich auch immer Futter heraus. Wir arbeiten daran.
Im Normalfall wird auch das Kraftfutter draußen gegeben. Die Ausnahme ist auch hier ausschließlich Dauerregen, wie beim Raufutter.
Ja Raufutter, das ist auch so ein Thema. Schlechte Qualität bei Heu und Silage habe ich viel zu oft vorgefunden. Altes, muffig riechendes Heu, matschige Silage oder Schimmel an dem einen oder anderen, nichts von alledem ist das richtige Futter für Pferde.
Für das Glück der Pferde ist also ausreichend gesorgt, so dass nun langsam an das Glück der Zweibeiner gedacht und an ihm gearbeitet werden kann. Unsere Sattelkammer mit Heizung ist so gut wie fertig und mit einem kleinen Tisch und Sitzgelegenheiten wird sie auch unser Aufenthaltsraum sein. Durch ein schönes großes Fenster kann man in den Stall und weiter durch die Türen auf die Weide gucken. Bei schlechtem Wetter ist das schon arg gemütlich: Die Pferdis fressen ihr Raufutter, schauen durch die Türen hinaus in den Regen und wir beobachten sie durchs Fenster in ihrem Stall….
Reitplatz und Roundpen trotzen leider noch nicht den Wassermassen, die so manchen Herbsttag vom Himmel prasseln. Daran werden wir dann im Frühjahr arbeiten müssen. Ich freue mich auf ein Winterhalbjahr endlich einmal ohne Sorge um das Wohlergehen meines Oberons.
Inzwischen ist das neue Jahr 2010 angebrochen und wir haben den Schrecken vieler Tierhalter hinter uns gebracht: Silvester!

(H.Schröder/pixelio)
Seit ein paar Jahren ist leider auch für meinen Oberon die Welt an Silvester nicht mehr in Ordnung. Seit vor ein paar Jahren ein Nachbar, als Oberon bei mir am Haus stand, seine Raketen über die Stallungen geschossen hat, bricht jedes Jahr die blanke Angst über ihn herein. Dementsprechend besorgt war ich, wie er mit der Situation nun, in einem Offenstall, wohl klar kommen würde. Um es kurz zu machen, es war einfach phantastisch! Hätte ich eine Kamera gehabt, mit der ich Nachtaufnahmen hätte machen könnte, das hätte ich zu gern gefilmt. Oberon und sein Kumpel Findus haben die Silvesternacht zwar in Anspannung, aber absolut ohne Panik verbracht. Sie suchten sich einen Platz, von dem aus sie alles gut überblicken konnten, der ihnen aber auch eine schnelle Flucht ermöglichte. Und so betrachteten sie (mit Unbehagen zwar) das nächtliche Spektakel, trabten aber nur zwei, drei mal die Weide hoch und runter und nur, als sie sahen, dass die Haffis von der Nachbarweide in Aufregung gerieten, galoppierten auch sie mal an.
Am nächsten Tag waren sie die Ruhe selbst. Auch das war ungewohnt, denn normaler Weise merkt man noch an Neujahr eine gewisse Schreckhaftigkeit.
Weitere Berichte folgen!
P.S.: Noch ein kleiner Tipp für das Füttern von Raufutter auf der Weide. Dabei kommt es ja meist zu der Problematik, dass die Pferde den Boden stark zertrampeln.

Ich lege das Raufutter nun in langen Schlangen auf der Weide aus. Dadurch sind die Pferde in Bewegung, fast als würden sie grasen, und der Boden leidet nicht mehr, als bei normaler Weidenutzung. Kleiner Aufwand – große Wirkung!
