Vom Rotzbengel zum Reitpferd – ein Interview
Vom Rotzbengel zum Reitpferd – ein Gespräch mit Regina Rheinwald, Reitlehrerin, Verhaltenstherapeutin für Pferde und Buchautorin.
Frau Rheinwald, was Reitlehrer tun, das weiß natürlich jeder, aber Sie tun etwas mehr?
Ja, das ist richtig. Ich verbinde meine jahrzehntelange Erfahrung in der Ausbildung von Pferd und Reiter mit den Kenntnissen, die ich während meiner theoretischen Ausbildung und praktischen Arbeit als Verhaltenstherapeutin für Pferde erworben habe.
Wer kommt denn zu Ihnen?
Oh, vom Besitzer, der Schwierigkeiten im Umgang mit seinem Pferd oder Pony hat, bis zum Turnierreiter, der sich auf die klassischen Wurzeln der Reitkunst besinnt.
Kann man sagen, dass bestimmte Fälle häufiger auftreten?
Ja, häufig kommen Pferdebesitzer, weil sie merken, dass ihr Pferd ihnen nicht gehorcht oder es sogar gefährlich wird.
Bei den Reitern handelt es sich häufig darum, dass sie mit einem oder mehreren Reitproblemen auf der Stelle treten oder sie sich immer wieder wiederholen. Ich werde also oft gerufen, wenn andere Wege bereits in die Sackgasse geführt haben.
Welches war denn aus Ihrer Sicht der interessanteste Fall?
Wirklich! Ich finde jedes Paar, also Pferd plus Besitzer oder Reiter interessant. Wenn aus einem „Rotzbengel“, der seine Besitzerin steigend angegriffen hat ein zufriedenes Reitpferd wird, oder aber eine langjährige Reiterin ihr Pferd und die Reitkunst neu entdeckt, dann ist das einfach wunderbar. Sogar vor Verkauf und Schlachtung konnte ich schon Pferde bewahren!
Wie arbeitet man mit solchen Pferden?
Es gibt natürlich kein Rezept oder Allheilmittel. Man kann also nicht sagen: Wenn Dein Pferd beißt, schlägt oder steigt, dann tue das, dies oder jenes. Ich muss zunächst Mensch und Pferd gemeinsam beobachten. Dann stelle ich sozusagen eine Diagnose, arbeite mit dem Menschen, arbeite mit dem Pferd, nacheinander oder mit Beiden zusammen. Das Beste ist, wenn Mensch und Pferd gemeinsam unter meiner Anleitung arbeiten, denn nicht ich soll mit dem Tier klarkommen, sondern der oder die Betroffene. Ich greife nur zwischendurch ein.
Genauso läuft das auch beim Reitunterricht. Und wer möchte, bekommt Video-Aufzeichnungen, vorher – nachher, ein beliebter Service.
Hat die Autorin denn da überhaupt noch Zeit zum Schreiben?
Ja, das ist zur Zeit immer noch meine Haupttätigkeit. Aber manchmal ist der Übergang auch fließend, wenn zum Beispiel die praktische Arbeit in ein Buch einfließt.
Was wünschen Sie sich, wenn Sie an Pferde denken?
Dass Besitzer und Reiter wahrhaftig an ihre Pferde denken, und nicht an sich und ihre Eitelkeit.